Flechtinger Schlosssagen

Es war einmal vor vielen, vielen Jahren...., in unserer Heimat herrschten raue Zeiten. Der König war außer Landes. Er zog mit einem Heer von tapferen Rittern in die Schlacht, um mit dem Schwert seine Macht zu sichern. In der Mark Brandenburg regierte sein Stellvertreter. Zwischen ihm und dem alteingesessenen Adel kam es zum Streit. Es begann die Zeit der Raubritter. Mit ein paar Knappen zogen sie in die Dörfer des Erzbischofs von Magdeburg und die des Bischofs von Halberstadt. Sie stahlen den Bauern das Vieh von der Weide und plünderten ihre Höfe aus. Den Kaufleuten lauerten sie auf den freien  Landstraßen auf, nahmen ihnen die Waren weg. Nun schleppten sie die Kaufleute auf ihre Raubritterburgen, um ein Lösegeld zu erpressen. Erst mit dem Landfriedensbündnis kehrte allmählich wieder Ruhe im Lande ein. Die Bürger der Stadt Haldensleben ließen eine große Landwehr um die Nordgrenze ihrer Stadt anlegen. Zusammen mit den Magdeburgern zogen sie gegen die Raubritterburg Klötze und legten sie in Schutt und Asche. Etwa zu dieser Zeit wird es gewesen sein, da ließen die Ritter von Schenck auf der Burg Flechtingen einen Geheimgang bauen. Unter dem Brauhaus, der späteren Rüstkammer lag der Eingang. Der Tunnel führte unter dem Schlossteich hindurch, hinüber zur alten Dorfstätte, den heutigen Kirchengärten. Auf der Wiese stehen heute zwei mächtige Eichen und ein kleiner Hügel. In trockenen Sommern kann man vom Parkausgang einen breiten hellen Streifen im Gras erkennen. Er führt direkt auf den Hügel zu. Endet hier der alte Geheimgang?

Der letzte von den Schencken, der diesen Gang noch selbst gesehen hatte, war Joachim Ernst, aber er nahm das Geheimnis 1758 mit ins Grab.

Auch wird berichtet, dass unter dem Brauhaus noch ein großer „Schatz“ vergraben ist. Einst wird ihn nach vielen, vielen Jahren ein „einäugiger Jacob“ heben.

Die Flechtinger seien gewarnt, wenn sie den Dorfdamm durchstechen, dann wird der jeweilige Besitzer der Burg sterben und das gesamte Dorf abbrennen. Aus diesem Grund solle man den Teich nie ganz ablassen.

Ganz oben in den Dachkammern, dicht neben dem alten Bergfried, wo einst die Ritter wohnten, waren an den Wänden seltsame Malereien. Eine Kammer war mit Heiligenbildern ausgemalt. Hier hatte damals Kersten von Schenck, der Jüngere, seinen Lebensabend verbracht. In seiner Jugend war er in den Türkenkrieg gezogen und dort in Gefangenschaft geraten. Erst nach Jahren langer Haft kam er zurück vor die Tore seiner Burg Flechtingen. Die schwere Zeit der Gefangenschaft hatte so an ihm gezehrt, dass keiner von den Dienern ihn erkannte. Nur seine Ehefrau Maria Magdalena, eine geb. von der Schulenburg, erkannte ihn schließlich, aber nur an seinem Mal, den verunstalteten Ohren.