Aus der Blütezeit der Schencken zu Flechtingen

Das brandenburgische Lehen der Schencken auf Flechtingen gehörte zum südlichsten Zipfel der Mark Brandenburg. Kaiser Karl IV., aus dem Hause der Lützelburger (Luxemburger), war Ende des 14. Jahrhunderts König von Böhmen und Deutschland. Zu seiner Lieblingsresidenz wählte er Tangermünde, wo er sich ein Schloss erbauen ließ. Seine drei Söhne Wenzel, Johann und Siegmund setzte er als Markgrafen ein. Sie kümmerten sich wenig um Land und Leute. Sie benutzen die Mark um ihre reichlichen Schulden zu bezahlen. Siegmund schuldete seinem Vetter Jobst von Mähren ½ Million Gulden. Um diese Schulden zu decken, verpfändete er ihm 1388 die Mark. Jobst, der auch „der große Lügner“ genannt wurde, ging noch einen Schritt weiter. Er erließ gegen ein ordentliches Entgeld die Befreiung von der höchsten Gerichtsbarkeit und dem Blutbann. So konnte sich der Adel und auch die reichen Bürger der Städte von ihren Verfehlungen freikaufen. Jeder, der sein Recht nicht auf ordentlichem Wege finden konnte, konnte Fehde ansagen und das Land seines Nachbarn verwüsten und ausplündern. Die Zeit des Raubrittertums war angebrochen. Um endlich Ruhe und Ordnung zu schaffen setzte Siegmund, der jetzige König, 1411 den Burggrafen Friedrich von Hohenzollern zum „Obersten Verweser und Hauptmann“ in der Mark Brandenburg ein. Dies war dem märkischen Adel zuwider.

Auch unser Werner von Schenck stellte sich gegen den Hohenzollern. Im Dienste des Erzbischofs Günther II. von Magdeburg stehend, raubte und plünderte er im Brandenburgischen. Werner hat in seinen letzten Lebensjahren (gest. 1421) mit seinem Lehnsherrn, Friedrich I. doch noch seinen Frieden geschlossen und ihn als seinen Herrn anerkannt. Am 14. Oktober 1420 leiht er seinem Markgrafen 100 Schock guter böhmischer Groschen.

Sein Sohn Rudolf ist bereits ein enger Vertrauter der Hohenzollern. Rudolf ist auch der letzte seiner Sippe, der als Ritter genannt wird. Am 17. Juli 1436 finden wir ihn unter den „sieben Schlossgesessenen“ der Altmark, die vom Markgrafen Johann, Friedrich I. Sohn, nach einer Verordnung von der Gerichtsbarkeit des altmärkischen Hofgerichts befreit werden und nur dem Kurfürsten oder seinem Stellvertreter, dem Hauptmann der Altmark, unmittelbar unterstellt werden.

Unter Kurfürst Friedrich II. wird Ritter Rudolf von Schenck schon 1442 als brandenburgischer Kämmerer genannt. Zwei Jahre später bekleidet Rudolf das Amt eines kurfürstlichen Rates. Dies zeugt von einem besonderen Vertrauensverhältnis.

Rudolf verstirbt 1475, sein Sohn Jacob führt das Haus Flechtingen weiter. In seine Zeit fällt der große Schlossbrand von 1483, wobei auch das Dorf Flechtingen stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Folgen des Brandes führten zu einer großen Bautätigkeit. Die Nachrichten über diesen Brand finden wir in der Chronik des Klosters Marienthal, wo die „Grabbrüderschaft“, der auch die Schencken angehören, eine alte Frau als Brandstifterin nennen. In dieser Zeit ist den Schencken auch ihr dompröpstliches Lehen um Dönstedt abhanden gekommen. Im Jahr 1500 bringt es Jacob von Schenck, wieder in den Besitz der Familie. Jacob war kein langes Leben gegeben. Als er 1503 starb, war sein Sohn Barwert gerade 9 Jahre alt. 1521, als Barwert mündig wird, erhält er sein Lehn vom Kurfürsten. Eine neue Zeit war angebrochen, Luthers Predigten sorgten für Aufsehen im ganzen Land. Barwert begrüßte die Reformation. Es ist nicht verwunderlich, denn seine Mutter, Levecke von Jagow, ist eine Verwandte des Brandenburger Bischofs Matthias von Jagow, der sich der Hochachtung Luthers erfreute und seinem Kurfürsten Joachim II. zum ersten Mal das Abendmahl in beiderlei Gestalt reichte. Barwert von Schenck war es auch, der dem Ablasshändler Tetzel mit Hinterlist seine prallgefüllte Geldtruhe wieder abnahm. Von diesem Geld soll Barwert die Kirche im Dorf ausgebaut haben. Vor seinem Tode 1536 hat er umfangreiche bauliche Veränderungen an der Burg ausführen lassen.

Ihm folgt als neuer Burgherr sein 13-jähriger Sohn Karsten, auch Kersten der Ältere genannt. Doch auch Kersten ist beim Tode seines Vaters noch unmündig. Das Haus führt für ihn stellvertretend seine Mutter Hyppolita von Wenkstern. In ihre Wirtschaftszeit fällt der Bau der Holzmühle. Kersten führt in seiner Zeit als Burgherr ein Hausbuch. Hier erfahren wir zum ersten Mal über den umfangreichen Lehnbesitz der Schencken in der Mark Brandenburg, im Bistum Halberstadt, im Erzbistum Magdeburg und Lehn der Grafen von Regenstein. Diesen großen Besitz und das Amt des Erbkämmerers der Mark Brandenburg hinterlässt er 1571 seinen minderjährigen Söhnen Werner und Kersten dem Jüngeren.

Werner war der ältere seiner Söhne. Auch er war aber beim Tode seines Vaters mit 11 Jahren noch minderjährig. Nach Abschluss seines Studiums beginnt er, nun volljährig, die Burg schlossartig ausbauen. Im großen Saal lässt er eine Stuckdecke mit Motiven der Tugenden und Laster, sowie einen steinernen Kamin einbauen. Sichtbares äußeres Zeichen ist der Renaissance-Erker über dem Eingangstor. Doch mit 37 Jahren verstirbt er viel zu früh. Sein Bruder Kersten der Jüngere führt das Haus, nach dem frühen Tod der beiden Söhne Werners, weiter. Er lässt die Verbindungsgalerie aus Fachwerk im Innenhof erbauen. Kurz vor Ausbruch des 30-jährigen Krieges ist er als Bischöflicher  Mundschenk bei der Amtseinführung des letzten Halberstädter Bischofs, Herzog Christian von Braunschweig, dabei. Die Schencken von Flechtingen standen auf der Höhe ihrer Macht. Kersten der Jüngere stirbt am 22. Dezember 1621 nach langer Krankheit im Alter von 40 Jahren.

In die alles verderbende Zeit des 30-jährigen Krieges hinterlässt er 11 Kinder.