Holzmuoja – die Flechtinger Waldfee

 Vor vielen, vielen Jahren waren in den Wäldern unserer Vorfahren noch Wald- und Baumelfen zu Hause.  

Diese Waldfrauen nannte man Holzmuoja, was auch Eule bedeutet, Holzruna oder Waldminna. Die Köhler, Jäger und Waldarbeiter nannten sie auch Moos- Holz- und Wetterfräulein, scherzhaft auch Buschweibchen. Allgemein wurden sie auch als „weiße Weiber“ bezeichnet.

Die Holzmuoja versteckt sich am Tage im finsteren Dickicht, in der Nacht schläft sie in einer Baumhöhle.

Am Morgen  wäscht sie sich am plätschernden Waldbach, der „großen Renne“. Verirrt sich der Wanderer im Walde, so kommt sie als Wirbelwind angebraust und jagt ihn stundenlang durch Dornen und Morast. Oft glaubt er, dass sie ihn beim Namen ruft, doch halt Wanderer, antworte jetzt niemals mit „ja!“, sondern immer nur mit „he!“, denn sonst bringt sie dich in ihre Gewalt.

Nach einer schweren Gewitternacht hängt sie ihre seidenen Kleider zum Trocknen über die Weißdornbüsche am „Holzmühlenteich“. Nähert sich ein Wanderer, so lässt sie dichte Nebelschwaden aufziehen. Nur mit sehr viel Glück kann man im frühen Morgenlicht die glitzernden Gewänder sehen.

Im Herbst, nach einer wilden Sturmnacht, fallen ihre zerzausten, silbrig glänzenden Haare von den Ästen der Bäume herab. Dies ist das Zeichen, dass sie ruhelos durch die stürmische Nacht lief, auf der Suche nach einem geschützten Schlafplatz.

In den Abendstunden nimmt sie die Gestalt einer Eule an. Nun kommt sie zu uns ins Dorf, fliegt einige Runden fast lautlos über die Dächer und setzt sich auf dem Kirchturm nieder. Hier lauscht sie nun heimlich den Gesprächen der Liebespärchen.

Wenn Sie sich jetzt entschlossen haben eine Wanderung zum Holzmühlenteich zu unternehmen, kann es passieren, dass Ihnen unsere Waldfee begegnet.

Wie es vor vielen, vielen Jahren dem Flechtinger Schweinehirten Kersten erging, erzählt Ihnen die Sage.